In Week 9 landeten die Kassel Titans bei den Mainz Golden Eagles mit 19:16 ihren dritten Saisonsieg.
Die letzte Auswärtsfahrt der Titans der Season führte auf den Mainzer Kunstrasen, wo die Golden Eagles ihr letztes Saisonspiel auf dem Plan hatten. Beide Teams waren nicht frei von Ausfällen: Den Titans fehlten neben vier Defensive Linemen auch einzelne Spieler in Offensive Line und Offense Backfield, während auch die Golden Eagles nur einen kleinen Kader zum Spieltag aufbieten konnten. In diesem fanden sich deutlich weniger amerikanischstämmige Spieler wieder als aus der Vergangenheit gewohnt. Besonders die Quarterback-Position wurde so zur Baustelle. Um mehr als „einfach nur“ einen Sieg gegen Saisonende ging es allerdings nicht mehr, beide Mannschaften werden die Season auf den gesicherten Tabellenplätzen beenden.
Nach Kickoff der Titans und gutem Return der Eagles starteten die Gastgeber mit der Offense auf dem – nun, sagen wir polarisierenden Kunstrasen ins Spiel, kamen aber nicht weit. Omar Rahy (#51) an der Line of Scrimmage und Kevin Gernand (#97) per Sack warfen die Eagles direkt zurück, die per Three-and-Out vom Feld geholt wurden. Doch die Titans nahmen das Geschenk nicht an und fumbleten im ersten Offense-Play des Tages den Ball. Die Defense blieb dennoch hellwach und zog nach mehreren Pass Deflections von Michael Kolberg (#10) direkt das nächste Three-and-Out. Bockstark.
Neuer Versuch für die Titans von der eigenen 20, mit der Offense nun ins Rollen zu kommen. Das gelang diesmal, gleich sechs unterschiedliche Spieler des Offense Backfields bekamen ihren ersten Touch. Tiron Sloan (#33) sorgte für weite Yards im Laufspiel, Mehrach Saki (#39) sorgte für wichtige Conversions zu 1st Downs als Receiver. In der Red Zone stockte der Drive jedoch, ein 25-Yard-Field Goal gab den Titans aber eine 3:0-Führung. Die Defense hielt weiterhin grandios und erlaubte nur ein 1st Down, und auch dieses nur aufgrund einer Strafe. Drei Drives, dreimal schnell vom Feld, dazu beinahe die erste Interception des Tages von Florian Karger (#21) – was für ein Quarter.
Die Titans versuchten, in ihrem zweiten Play des Drives das tiefe 1-gegen-1 für sich zu entscheiden – das ging schief. Interception. Erneut rettete die Defense der Titans für die Offense. Michael Lajsev (#1) stoppte einen Outside Run per tiefem Tackle, inside ging ebenfalls nicht viel. Den Eagles gelang mit einem tiefen Pass dann ihr erstes 1st Down des Tages, das war’s aber auch schon wieder mit dem Drive. Ein 45-Yard-Field Goal war zu weit für die Eagles, Dariusch Baumann (#6) konnte den Ball sogar noch unter den Goalposts fangen und auf eine brauchbare Ausgangsposition der Titans-Offense returnen. Doch erneut, bevor der Drive der Titans so richtig Fahrt aufnehmen konnte, wurde der nächste tiefe Pass zur Interception gepickt. Chance um Chance war vergeben, um früh eine höhere Führung aufzubauen. Die Eagles konnten so bereits in der gegnerischen Hälfte in den Drive starten, und ihr zweites wirklich erfolgreiches Offense-Play gab ihnen sogar die Führung. Extrapunkt gut, 7:3 Eagles und der Ball wieder bei Kassel.
Die Antwort der Titans zunächst in den Special Teams. Luca „Dobby“ Dobrinski (#20) legte einen sehr guten Kickoff-Return über das halbe Feld hin. Luan Gaudillat (#11) schaffte es bei 3rd & long hinter die gesamte Defense, Kevin Ekhorutomwen (#13) brachte den Ball genau auf ihn – aber statt sechs Punkten fiel der Pass incomplete und stattdessen Punt. Nächste Chance vertan. Immerhin verlegten die Titans den Ball per Punt an die gegnerische 8-Yard-Linie. Dort verpasste die Secondary der Titans zunächst zum zweiten Mal eine fangbare Interception, doch nur wenige Plays später revanchierte sich Michael Kolberg (#10) und pflückte den Ball zum Turnover ab.
Die Titans starteten so knapp innerhalb der gegnerischen 40, wieder eine sehr gute Ausgangsposition – und wieder gelangen keine Punkte. Four-and-Out, wobei ein getippter Pass bei 4th Down sogar ebenfalls interceptet wurde. Da dies aber nichts an der Ausgangsposition des nächsten Eagle-Drives änderte, hatte dies aber eher statistischen Wert.
Die Eagles wurden erneut per Three-and-Out vom Feld geschickt. Die Defense der Titans erreichte bis zu diesem Punkt mehr Three-and-Outs als sie überhaupt 1st Downs erlaubten. Eine unfassbar gute erste Halbzeit, und dennoch lagen die Titans mit 3:7 zurück. Muss man auch erstmal verstehen.
Leider verletzte sich beim folgenden – sehr guten – Punt Return von Anton Brinner (#5) auch noch Omar Rahy (#51) zu allem Überfluss und stellt nun bereits den fünften (!) Defensive Linemen im Lazarett der Titans. Der Junge wird in einigen Wochen schon wieder, bloß unmittelbar ist es sowohl für ihn als auch für das restliche Team bitter.
Die Titans versuchten anschließend im Two-Minute-Drill nochmal, die Halbzeitführung zu holen. Yards und 1st Downs zu erreichen gelang nun wieder sehr gut, bis bereits tief in der gegnerischen Hälfte jedoch ein weiterer Pass interceptet wurde. Die Eagles knieten zur Halbzeit ab.
Zig Yards, eine weite Führung nach 1st Downs, und trotzdem 3:7 zur Halbzeit mit mehr Turnovern, als es allen Beteiligen lieb ist. Das ergab eine Stimmung, die einerseits „Wie ist denn dieser Score möglich?“ beinhaltete, als auch ein „Wenn wir genau so weiterspielen und lediglich die Fehler ein klein wenig abstellen, drehen wir das Spiel im Handumdrehen“.
Zum Start der zweiten Halbzeit legte Luan Gaudillat (#11) den nächsten guten Kickoff-Return hin. Erneut waren die Yards per Play völlig in Ordnung. Ob am Boden oder durch die Luft, diesmal über Veit Alberding (#84) und Denis Rink (#3) mit mehreren Receptions, die Titans zogen übers Feld – und leisteten sich beim Versuch, in die gegnerische Red Zone zu ziehen, die nächste Interception. Wieder kein Problem. Ben-Joshua Riehm (#44), Ulf Bialucha (#48) und Michael Lajsev (#1) mit den nächsten Tackles, wieder eine Deflection in der Secondary – nächstes Three-and-Out. Und diesmal schoss Max Nußer (#58) beim Punt Rush derart durch die Mitte, dass er den Upback direkt vor den Punter schob. Der Ball wurde abgefälscht, hüpfte nur wenige Yards vor und gab den Titans das neue 1st Down innerhalb der gegnerischen 40 (!). Wieder ging es nach vorn, auch wenn es wieder nur zum Field Goal aus knapp über 30 Yards reichte. Immerhin, nur noch 7:6 für die Eagles.
Die Eagles schafften es zu zwei 1st Downs und damit an die 50. Dort blitzte Sascha Vandrey (#40) in den Quarterback hinein, dessen Pass dadurch lange in der Luft stand – und wieder von der Secondary der Titans gedroppt wurde. Trotz fantastischer Coverage drei Interceptions liegen lassen, während die Offense selbst zwar viele Yards zurücklegte, durch eigene Turnover aber das Scoren vergaß. So kann man sich eben selbst schlagen. Im unmittelbar darauffolgenden Play zog ein Run der Eagles ein einziges Mal davon – Touchdown. Ein einziges von Dutzenden Plays mal nicht da gewesen, sofort klingelte es. Beim Extrapunkt geriet der Snap der Eagles aber zu hoch, der Holder rollte raus, aber Julian „Bambi“ Däschner (#23) schob ihn rechtzeitig vom Feld. „Nur“ 13:6 für die Eagles.
Nächster guter Return von Luca „Dobby“ Dobrinski (#20) und nächste Chance für die Offense. Ein vermeidbarer Drop bei 3rd Down bedeutete aber ein Three-and-Out – und die Eagles legten einen guten Punt Return bis an die 20-Yard-Linie der Titans hin. Autsch. Ja, die Defense ließ kaum ein weiteres Yard zu und zwang die Eagles nach drei Plays direkt zum Field Goal – das ging aber rein, und damit 16:6 und ein Two-Score-Game im vierten Quarter. Wie kann man einen Gegner selbst stark machen?
Doch noch war nicht Schluss. Eine tiefe Completion auf Anton Brinner (#5) brachte endlich wieder Schwung in die Offense, dann legte Denis Rink (#3) auf einer Swing Route weitere 20 Yards zurück. Den Touchdown erlief Kevin Ekhorutomwen (#13) nach ein paar Stiff Arms selbst. Der Versuch, die TPC nach Flagge gegen die Eagles von der 1-Yard-Linie per Sneak zurückzulegen, schlug aber fehl, damit immer noch 16:12 für die Eagles.
Diese zogen mit einem guten Kickoff-Return direkt in die Hälfte der Titans. Ein Trickspielzug brachte sie an die 20. Dort war aber Schluss, die Titans schoben die Eagles sogar noch ein paar Yards zurück. Das 40-Yard-Field Goal der Eagles ging links daneben. Two-Minute-Drill für die Titans und „Touchdown wins game“. Tiron Sloan (#33) lief zwei Eagles über den Haufen und marschierte mit einem Run für 35 Yards an die gegnerische 30. Zwei weitere 1st Downs später standen die Titans auf 1st & Goal. Der Pass ging incomplete, noch 14 Sekunden blieben übrig. Tiron Sloan (#33) bekam den Ball noch einmal, tankte sich für drei Yards in die Endzone – Touchdown, 10 Sekunden vor Spielende! Snap, Hold, Kick zum Extrapunkt – 19:16 Titans.
Den Eagles blieb nach dem Kickoff noch ein allerletztes Play mit zwei Sekunden auf der Uhr, Michael Kolberg (#10) sammelte aber seine zweite Interception des Tages ein und beendete das Spiel.
Riesengroße Erleichterung bei den Titans, dieses Spiel doch noch gewonnen zu haben. Extrem viel ging schief, seien es eigene Turnover oder liegen gelassene Interceptions der eigenen Secondary. Grundsätzlich war die Offense mit wenigen Ausnahmen in der Lage, Yards und 1st Downs gut zu machen, verbaute es sich aber oft durch Turnover selbst, zu scoren. Die Defense schickte die Eagles reihenweise per Three-and-Out vom Feld, verpasste aber mindestens drei eigene Interceptions, um das eigene, sehr gute Spiel entsprechend zu krönen und noch einmal weniger zuzulassen. Kurz vor Schluss drehten die Titans doch noch das Spiel, was eine deutlich angenehmere Heimfahrt bedeutete als eine solche mit einem „Wie konnten wir das denn verlieren?“ 😀
Nichtsdestotrotz Respekt an die Mainz Golden Eagles, die trotz kleinem Kader und fehlenden Schlüsselspielern alles aufgeboten haben, um dagegen zu halten, und beinahe sogar gewonnen hätten. Zudem war es ein angenehm faires Spiel ohne persönliche Fouls oder dergleichen.
Ein letztes Mal auswärts in diesem Jahr geht unser großer Dank an unsere Supporter an der Seitenlinie, die erneut ihren Sonntag dazu genutzt haben, um mit der Mannschaft auf Reisen zu gehen und uns bestens zu unterstützen. Vielen Dank euch!
Die Titans können ihren extrem kräftezehrenden 4-Spiele-Stretch, davon die letzten drei alle auswärts an einem Sonntag, mit einem Sieg beenden und sich nun auf das Saisonfinale am 30. August vorbereiten, wenn die Marburg Mercenaries im Auestadion zu Gast sind.
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